Audiomitschnitte online

Sämtliche Audiomitschnitte der Veranstaltungsreihen „Feministische Kritik Heute“ und „Aspekte des Antisemitismus“ sind jetzt online: Hier gehts zu den Audiomitschnitten.

Diskussion über Antisemitismus unerwünscht? ZAKK Düsseldorf lädt „Aktionswochen gegen Antisemitismus“ aus

Stellungnahme der Veranstalter*innen

Die Veranstaltungsreihe „Aspekte des Antisemitismus“ hat eine Ausladung vom Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation (ZAKK) erhalten. Die Veranstaltungsreihe findet im Zuge der „Aktionswochen gegen Antisemitismus“ der Amadeu-Antonio-Stiftung statt und wird außerdem von der Heinrich-Böll-Stiftung NRW unterstützt.

Zu den Veranstalter*innen
Wir, der Arbeitskreis Kritische Theorie (AKKT) sind ein Zusammenschluss von Studierenden der Heinrich-Heine-Universität und der Fachhochschule Düsseldorf, der seit zwei Jahren Veranstaltungsreihen rund um das Thema Kritische Theorie im ZAKK organisiert. Diese fanden bisher immer erfolgreich und problemlos statt.

Zur Ausladung
Im Vorfeld der offiziellen Ausladung wurden wir vom ZAKK gebeten, Stellung zu einer E-Mail zu beziehen, in der die Referent*innen unserer Veranstaltungen, Paul Mentz, Karina Korecky und Alex Feuerherdt als „Kriegshetzer und rassistische Antiislamisten“ verleumdet wurden. Wir haben daraufhin per E-Mail gegenüber dem ZAKK ausführlich klargestellt, dass der unbegründete Rassismusvorwurf gegenüber den Referent*innen haltlos ist. Wir boten dem ZAKK in dieser E-Mail an, mit uns persönlich zu diskutieren. Dieses Angebot wurde von Seiten des ZAKK jedoch ignoriert und uns wurde stattdessen am 23.10.2013 mittels einer weiteren E-Mail mitgeteilt, dass die Veranstaltungsreihe „Aspekte des Antisemitismus“ nicht im ZAKK stattfinden dürfe. Außerdem hieß es, dass die Veranstaltungsreihe „Feministische Kritik heute“, die im Vorfeld im ZAKK stattfinden sollte, nicht mehr vom ZAKK unterstützt werde. Letztgenannter Schritt wurde von Seiten des ZAKK leider nicht begründet. Da wir an einem Ort, an dem eine Auseinandersetzung mit Antisemitismus offenbar nicht erwünscht ist, keine Veranstaltungen durchführen möchten, haben wir unsere Veranstaltungsreihe „Feministische Kritik heute“ kurzfristig in andere Räumlichkeiten verlegen müssen.

Die Stellungnahme des ZAKK
Der sehr kurzen Stellungnahme des ZAKK zur Ausladung ist zu entnehmen, dass die Referent*innen „einseitige Thesen“ vertreten würden, welche den „Grundlagen der Kulturarbeit“ des ZAKK widersprächen. Außerdem habe die Veranstaltungsreihe „wenig mit dem eigentlichen Anliegen, der Auseinandersetzung mit “kritischer Theorie”, zu tun“.
Da uns bis heute und trotz expliziter Nachfrage keine ausführlichere Stellungnahme des ZAKK erreicht hat und auch wiederholte Diskussionsangebote ignoriert wurden, müssen wir davon ausgehen, dass das ZAKK eine Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen Antisemitismus nicht wünscht.

Das ZAKK unterstellt des weiteren den Referent*innen der Reihe “Aspekte des Antisemitismus” “Einseitigkeit”, ohne diesen Vorwurf zu begründen. Es ist für eine “offene Kulturarbeit” unserer Ansicht nach nicht nötig, alle Positionen unserer Referent*innen zu teilen, wenn eine öffentliche Kultureinrichtung wie das ZAKK den Raum für den Diskurs zu diesem Thema verweigert, dann kann man von dieser Einrichtung zumindest erwarten, dies gut zu begründen. Wir halten die von uns ausgewählten Referent*innen für kompetent und qualifiziert, was ihre jeweiligen Veranstaltungsthemen betrifft. Alle Referent*innen können auf diverse wissenschaftliche Publikationen verweisen und veröffentlichen zudem regelmäßig in renommierten Zeitschriften wie der Jüdische Allgemeine, Konkret oder Exit! und halten ebenso regelmäßig Vorträge an Universitäten oder in Soziokulturellen Zentren, wie dem Druckluft Oberhausen, dem Bollwerk 107 in Moers oder der Alten Feuerwache in Köln. Zudem hätte es nach jedem Vortrag selbstverständlich Raum für Diskussionen und kritische Fragen gegeben.

Die Argumentation, “die geplanten Veranstaltungen haben wenig mit dem eigentlichen Anliegen, der Auseinandersetzung mit “kritischer Theorie”, zu tun” ist zudem in keiner Weise haltbar. Offensichtlich haben sich die Verantwortlichen im ZAKK nicht mit der Kritischer Theorie und unseren Referent*innen intensiver auseinandergesetzt. Die Kritische Theorie, die maßgeblich vom Frankfurter Institut für Sozialforschung seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt wurde, setzt sich seit ihrer Entstehung mit dem Antisemitismus auseinander. Paul Mentz referiert zum Thema “Antismitismus und autoritärer Charakter”. Der Begriff des autoritären Charakters wurde von den bekanntesten Autoren der Kritischen Theorie Max Horkheimer und Theodor W. Adorno geprägt. Der Vortrag von Ljiljana Radonic, Historikerin an der Universität Wien, bezieht sich auf ihre Monografie „Die friedfertige Antisemitin? Kritische Theorie über Geschlechterverhältnis und Antisemitismus“. Wie der Titel schon deutlich macht, nimmt hier die Auseinandersetzung mit der Kritischen Theorie eine zentrale Rolle ein.

Da wir als AKKT selbstverständlich an einer Weiterentwicklung der Kritischen Theorie interessiert sind, wollen wir auch gegenwärtige gesellschaftliche Phänomene in den Blick nehmen. Dass ein israelbezogener Antisemitismus eine weit verbreitete Form des Antisemitismus ist, ist in der aktuellen Antisemitismusforschung unumstritten und auch in einer Arbeitsdefinition der EU wird von einem israelbezogenen Antisemitismus ausgegangen. Aus diesem Grunde haben wir den Journalisten Alex Feuerherdt eingeladen, um über „die unheimliche Popularität der ’Israelkritik’“ zu referieren.

„Grundlagen der Kulturarbeit“
Desweiteren beanstandete das ZAKK in der Ausladung, die Veranstaltungen der Reihe “Aspekte des Antisemitismus” würden gegen die „Grundlagen der Kulturarbeit“ des ZAKK verstoßen. Im Selbstverständnis des ZAKK heißt es: “Friedliches Zusammenleben, soziale Gerechtigkeit, Antirassismus und Antifaschismus, Emanzipation und Partizipation sind Werte, an denen sich die Kulturarbeit im ZAKK weiterhin orientiert.” Wir fragen uns daher, was sollen diese Grundlagen beinhalten, wenn nicht auch eine Auseinandersetzung mit Antisemitismus? Desweiteren stellt sich uns die Frage, ob das Einladen von Anhängern der Theorien Thilo Sarrazins und Antiziganismus Teile dieser „Kulturarbeit“ sind?

So lädt das ZAKK etwa regelmäßig zu einer „Gypsy-Party“ ein, dabei bedient es sich antiziganistischer Klischees auf den Flyern. Auch das Musikkollektiv „Schwarze Katze / weißer Kater“ legt dabei auf. Der Name bezieht sich auf einen Film, in dem romantisierende Stereotype über Roma und Sinti verbreitet werden.

Desweiteren konnte im ZAKK am 14.05.2013 eine Veranstaltung des “Düsseldorfer Aufklärungsdienst” mit Gerhard Schurz im ZAKK stattfinden, Schurz hat unter anderem gegenüber dem Focus die rassistischen Thesen von Thilo Sarrazin verteidigt. So bezeichnete Schurz etwa Sarrazins Buch “Deutschland schafft sich ab” als „ein seriöses Werk“ das „eine Reihe kluger Vorschläge“ mache, welche dem derzeitigen „einwanderungspolitisch unhaltbaren Zustand“ entgegenwirken würden. Schon dem Ankündigungstext der Veranstaltung war zu entnehmen, dass es sich bei Schurz um einen Sozialdarwinisten handelt der die “Evolutionstheorie auch außerhalb der Biologie” anwenden möchte.

Wie derartige Veranstaltungen ein “Friedliches Zusammenleben, soziale Gerechtigkeit, Antirassismus und Antifaschismus, Emanzipation und Partizipation“ fördern sollen und warum dies eine Veranstaltungsreihe zur Kritik des Antisemitismus nicht tun soll, bleibt das Geheimnis des ZAKK.

Auseinandersetzung mit Antisemitismus verbieten?
Die Ausladung der “Aktionswochen gegen Antisemitismus” des ZAKK ist erschreckend. Wie diverse Studien immer wieder belegen, ist Antisemitismus in Deutschland stark verbreitet. So gaben zum Beispiel bei einer Befragung der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte 63 Prozent der Juden in Deutschland an, jüdische Symbole in der Öffentlichkeit aus Angst vor Übergriffen zu vermeiden. Der Antisemitismusbericht der Bundesregierung 2012 fand zudem raus, dass jeder fünfte Deutsche latent antisemitisch ist und 2003 hielten in einer Umfrage der EU-Kommissionen 65% der Deutschen Israel für die größte Bedrohung des Weltfriedens. Umso wichtiger sind die „Aktionswochen gegen Antisemitismus“, in deren Rahmen unsere Veranstaltungsreihe stattfindet. Sie sind die bundesweit größte Kampagne gegen Antisemitismus, in der in diesem Jahr bundesweit über 350 Veranstaltungen organisiert werden. Eine Absage, wie die des ZAKK, ist ein einmaliger Vorgang in der elfjährigen Geschichte der Aktionswochen, wie die Amadeu-Antonio-Stiftung uns mitteilte. Es ist erschreckend, dass ein soziokulturelles Zentrum, welches jährlich 740.000 Euro öffentliche Gelder bekommt, seine Räume für die “Aktionswochen gegen Antisemitismus” nicht zur Verfügung stellt und damit versucht eine Auseinandersetzung mit Antisemitismus in seinen Räumlichkeiten zu unterbinden.

Wir sind entsetzt über die Absage und darüber, dass das ZAKK zu keiner Zeit das Gespräch mit uns gesucht hat, obwohl wir dies mehrmals angeboten haben. Umso mehr freuen wir uns über die Unterstützung der Heinrich Böll Stiftung NRW und der Amadeu Antonio Stiftung.

Im Rahmen der “Aktionswochen gegen Antisemitismus” finden noch zwei weitere Veranstaltungen in Düsseldorf statt zu denen wir alle Interessierten herzlich einladen:

11.12.: Ljiljana Radonic – “Die friedfertige Antisemitin? – Vom weiblichen Opfermythos”
16.12.: Alex Feuerherdt – “Die unheimliche Popularität der „Israelkritik”

Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 19:30 Uhr in den Räumen der
Fachhochschule Düsseldorf
Universitätsstr. 1
40225 Düsseldorf
Gebäude 24.21
Raum 02.61/62

Veranstaltungsort

Der neue Veranstaltungsort steht nun fest. Die Veranstaltungsreihe „Aspekte des Antisemitismus“ wird in den Räumen der FH Düsseldorf stattfinden. Alle Veranstaltungen starten um 19:30 Uhr.

FH Düsseldorf- Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Universitätsstr
40225 Düsseldorf

Gebäude 24.21
Raum 02.61/62

Wir freuen uns auf eine spannende Reihe und gute Diskussionen mit euch!

Mitteilung zur Ausladung aus dem Zakk

Wir, der Arbeitskreis Kritische Theorie Düsseldorf, erhielten am 23.10.2013 eine E-Mail vom ZAKK mit einer Ausladung für die Veranstaltungsreihe „Aspekte des Antisemitismus“, die im Zuge der Aktionswochen gegen Antisemitismus der Amadeu Antonio Stiftung stattfindet. Der sehr kurzen Stellungnahme des ZAKKs ist zu entnehmen, dass die Referent*innen dieser Reihe „einseitige Thesen“ vertreten würden, welche den „Grundlagen der Kulturarbeit“ des ZAKKs widersprächen. Außerdem habe die Veranstaltungsreihe „wenig mit dem eigentlichen Anliegen, der Auseinandersetzung mit “kritischer Theorie”, zu tun.“ Dass die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus stets ein zentrales Anliegen der Kritischen Theorie war und ist, scheint dem ZAKK entgangen zu sein.

Auch wurde vom ZAKK angekündigt, nicht mehr als Mitveranstalter der Veranstaltungsreihe „Feministische Kritik heute“ auftreten zu wollen, die zugesagten Räumlichkeiten können aber weiterhin durch uns genutzt werden. Für uns ist es jedoch nicht akzeptabel, an einem Ort, an dem eine intensive Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus offenbar nicht erwünscht ist, unsere Veranstaltungsreihe „Feministische Kritik heute“ durchzuführen. Die Veranstaltungsreihe „Feministische Kritik heute“ wird deshalb in Räumlichkeiten der FH Düsseldorf (Campus Süd) stattfinden.

Wir bedauern sehr, dass das ZAKK uns so kurzfristig abgesagt hat und zu keiner Zeit das Gespräch mit uns gesucht hat, obwohl wir dies mehrmals angeboten haben. Umso mehr freuen wir uns über die Unterstützung der Heinrich Böll Stiftung NRW, der Amadeu Antonio Stiftung und des Referats für politische Bildung des AStAs der FH Düsseldorf.

Die neuen Räumlichkeiten der Veranstaltungsreihe „Aspekte des Antisemitismus“ werden rechtzeitig bekanntgegeben. Eine ausführliche Stellungnahme folgt.

Veranstaltungsreihe: Aspekte des Antisemitismus


Eine Veranstaltungsreihe in Kooperation mit der Amadeu Antonio Stiftung und der Heinrich Böll Stiftung NRW

Paul Mentz – “Antisemitismus und autoritärer Charakter”
27.11.2013 – 19:30 Uhr – FH Düsseldorf- Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, Universitätsstr, 40225 Düsseldorf,
Gebäude 24.21, Raum 02.61/62

Ein Vortrag zur Kritik des Antisemitismus steht, um es mit den Worten des Polnischen Philosophen Leszek Kołakowski auszudrücken, vor dem Problem, dass es sich beim Antisemitismus um keine Doktrin handelt, „die man kritisieren kann, sondern [um] eine Haltung, deren soziale Wurzeln so geartet sind, daß sie nach keiner Begründung suchen muß.“ Die Vorstellung, man könnte einen Antisemiten mittels immanenter Kritik zur Vernunft bringen und ihn von der Irrationalität seines Anliegens überzeugen, ist naiv, insofern die Denkart des Antisemitismus auf einem Reflex beruht, der im unversöhnlichen Gegensatz zu Theorie und Wissenschaft steht. „Davon hat sich jeder überzeugt, der Gelegenheit hatte, mit einem Antisemiten eine jener hoffnungslosen Diskussionen zu führen, die immer dem Versuch ähneln, einem Tier das Sprechen beizubringen.“ Im Gegensatz zu Ideologien, die mittels immanenter Kritik aufzubrechen sind, handelt es sich Detlev Claussen zufolge bei dem Antisemitismus um „eine gewalttätige Praxis und eine Rechtfertigung der Gewalt zugleich“. Insofern der Antisemitismus auf einem „Reiz konformistischer Rebellion“ fundiert, ist es aussichtslos, der antisemitischen Logik die eigenen immanenten Widersprüche aufzuzeigen, zugleich gilt es aber festzuhalten, dass der Antisemitismus gesellschaftliche Ursachen hat. Um die Wirkungsmächtigkeit des Antisemitismus als Resultat einer gescheiterten Aufklärung in seiner Totalität näher zu bestimmen, sollen sowohl die historische Genese des Antisemitismus, wie auch dessen Grundlagen in der politischen Ökonomie, und der Psyche der Subjekte untersucht werden.

Paul Mentz hat in Bochum Philosophie und Soziologie studiert und plant in nicht allzu ferner Zukunft über den Freiheitsbegriff bei Theodor W. Adorno zu promovieren.

Ljiljana Radonic – “Die friedfertige Antisemitin? – Vom weiblichen Opfermythos”
11.12.2013 – 19:30 Uhr – FH Düsseldorf- Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, Universitätsstr, 40225 Düsseldorf,
Gebäude 24.21, Raum 02.61/62

Haben Frauen dasselbe Bedürfnis wie Männer, unerlaubte Regungen auf „Sündenböcke“ zu projizieren oder sind sie zu aggressivem Verhalten und Antisemitismus gar nicht fähig? Sind Frauen tatsächlich das „friedfertige Geschlecht“ wie M. Mitscherlich behauptet?

Jahrelang hat die „neue Frauenbewegung“ im Sinne einer identitätsstiftenden Geschichtsschreibung ein positives Bild von „der Frau“ im NS gezeichnet, was nicht selten zu einer den Holocaust verharmlosenden und antisemitischen Argumentation führt(e). Entgegen der Tatsache, dass Frauen als KZ-Aufseherinnen, Denunziantinnen oder Fürsorgerinnen an der antisemitischen Ausgrenzung und Vernichtung von Jüdinnen und Juden begeistert mitwirkten, werden sie in feministischen Schriften oft auch, im Widerspruch zu dem obigen positiven Bild, gerne als auf die Mutterrolle reduzierte „Gebärmaschinen“ (Renate Wiggershaus) dargestellt. Während 1988 zum Jahr des Holocausts an den Frauen erklärt wurde, gaben feministische Theologinnen dem Judentum die Schuld am Untergang des Matriarchats, dem Patriarchat weiters die Schuld am Nationalsozialismus… Wie die Schuldkette weitergeht, kann man bei Gerda Weiler nachlesen – ein feministischer Fall von Täter(innen)-Opfer-Umkehr.

Ist dem feministischen Opfermythos seine Grundlage entzogen, so lässt sich auf Basis einer kritischen Theorie des Antisemitismus die Frage stellen, ob der Antisemitismus bei Frauen und Männern die gleichen Bedürfnisse befriedigt, oder ob entsprechend der verschiedenen Geschlechterrollen unterschiedliche Inhalte projiziert werden. Und welche Rolle spielt dabei die Entwicklung zu einer „vaterlosen Gesellschaft“, in der charakterlose Charaktere die autoritäre Persönlichkeit ablösen?

Ljiljana Radonic ist Lehrbeauftragte am Wiener Institut für Politikwissenschaft. „Die friedfertige Antisemitin? Kritische Theorie über Geschlechterverhältnis und Antisemitismus“ ist 2004 im Peter Lang-Verlag erschienen.

Alex Feuerherdt – “Die unheimliche Popularität der „Israelkritik”
16.12.2013 – 19:30 Uhr – FH Düsseldorf- Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, Universitätsstr, 40225 Düsseldorf,
Gebäude 24.21, Raum 02.61/62

38,4 Pro­zent der Deut­schen ver­tre­ten einer Um­fra­ge zu­fol­ge die An­sicht: „Bei der Po­li­tik, die Is­ra­el macht, kann ich gut ver­ste­hen, dass man etwas gegen Juden hat.“ 39,5 Pro­zent glau­ben: „Viele Juden ver­su­chen, aus der Ver­gan­gen­heit des Drit­ten Rei­ches heute ihren Vor­teil zu zie­hen.“ Und gar 57,3 Pro­zent mei­nen: „Is­ra­el führt einen Ver­nich­tungs­krieg gegen die Pa­läs­ti­nen­ser.“ Die po­pu­lä­re Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­t i­on „Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal“ be­zich­tigt den jü­di­schen Staat wahr­heits­wid­rig, den Pa­läs­ti­nen­sern das Was­ser zu steh­len und sie da­durch an den Rand des Ver­durs­tens zu brin­gen. Die weit­aus meis­ten west­li­chen Po­li­ti­ker be­trach­ten nicht etwa das ira­ni­sche Atom­pro­gramm oder Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen wie die Hamas und die His­bol­lah, son­dern die is­rae­li­schen Sied­lun­gen in den um­strit­te­nen Ge­bie­ten als „Haupt­hin­der­nis für den Frie­den im Nahen Osten“ und sind hell­auf em­pört, wenn ihnen die Frage ge­stellt wird, warum Juden in einem pro­spek­ti­ven pa­läs­ti­nen­si­schen Staat ei­gent­lich nicht leben dür­fen sol­len. Das Feuille­ton springt na­he­zu uni­so­no einem deut­schen Pu­bli­zis­ten bei, der Is­ra­el in sei­nen Ko­lum­nen re­gel­mä­ßig mit mar­ki­gen Wor­ten at­ta­ckiert und de­le­gi­ti­miert, wenn genau dies von einer ame­ri­ka­ni­schen Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­t i­on zum An­lass ge­nom­men wird, die Aus­fäl­le die­ses Pu­bli­zis­ten in eine Liste der übels­ten an­ti­se­mi­ti­schen und an­ti­is­rae­li­schen Äu­ße­run­gen auf­zu­neh­men.

Wie kommt es, dass Is­ra­el immer wie­der dä­mo­ni­siert und ihm de facto das Recht ab­ge­spro­chen wird, sich gegen seine Fein­de zur Wehr zu set­zen? Warum wird die­sen Fein­den so viel Ver­ständ­nis ge­zollt oder gar Sym­pa­thie ent­ge­gen ge­bracht? Wes­halb ist die so ge­nann­te Is­ra­el­kri­tik vor allem hier­zu­lan­de so un­ge­heu­er po­pu­lär, und was treibt sie an – in der Po­li­tik, in den Me­di­en, in der Be­völ­ke­rung?

Alex Feu­er­herdt ist frei­er Autor und lebt in Köln. Er schreibt re­gel­mä­ßig für ver­schie­de­ne Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten zu den The­men An­ti­se­mi­tis­mus und Nah­ost, unter an­de­rem für die Jü­di­sche All­ge­mei­ne, Kon­kret, den Ta­ges­spie­gel und die Jung­le World.

Die Veranstaltungsreihe auf Facebook

(Der Veranstalter schließt Personen oder Personenkreise aus dem rechten politischen Spektrum, Nationalist*innen, Patriot*innen, Rassist*innen, Antisemit*innen, Antiziganist*innen, Sexist*innen, LGBTI-Feinde, sowie Personen und Personenkreise, die den eben genannten Einstellungen nahe stehen, von der Teilnahme an allen hier genannten Veranstaltungen gemäß $6 Abs.1 VersammlungsG. aus.)